Caritas-Jugendhilfe-Gesellschaft
Erfurter Appell 2026
Kinder und Jugendhilfe stärken
Der Erfurter Appell wurde im Mai von den Teilnehmenden der Bundestagung des Bundesverbandes Caritas Kinder- und Jugendhilfe e.V. (BVkE) in Erfurt verabschiedet.
Er bündelt die Stimmen von Fach- und Führungskräften aus der Praxis der Kinder- und Jugendhilfe und richtet einen klaren Appell an Politik und Öffentlichkeit.
Unsere Expertise und unsere Erfahrungen
In unseren Einrichtungen begleiten wir täglich junge Menschen und ihre Familien in hoch komplexen Lebenslagen. Unsere Erfahrung ist eindeutig: Hilfen sind dann wirksam, wenn sie sich am individuellen Bedarf orientieren, verlässlich sind und auf tragfähigen Beziehungen aufbauen. Dafür ist die konsequente Beteiligung der jungen Menschen und ihrer Familien unverzichtbar. Standardisierte Angebote können diese Qualität nicht ersetzen. Einsparungen, die primär der Haushaltsentlastung dienen und dabei individuelle Bedarfe in den Hintergrund rücken, gefährden den Erfolg von Hilfen und führen langfristig zu höheren Folgekosten.
Unsere Sorge
In Deutschland leben 14,3 Millionen Kinder und Jugendliche. In einer alternden Gesellschaft stellen sie eine Minderheit dar, die auf den Schutz und die Verantwortung der Gesellschaft angewiesen ist. Dennoch erleben wir, dass ihre Belange politisch keine Priorität haben. Hilfe systeme, die ein gesundes Aufwachsen sichern und Teilhabe ermöglichen, geraten pauschal unter Rechtfertigungsdruck und werden als „ineffiziente Kostentreiber“ dargestellt. Finanzielle Motive dominieren die Debatten, während fachliche Erkenntnisse in den Hintergrund treten. Diese Entwicklung gefährdet nicht nur individuelle Lebensverläufe, sondern auch den gesell schaftlichen Zusammenhalt.
Unsere Beobachtungen
Wir beobachten mit Sorge die aktuellen Reformüberlegungen und Kürzungsdebatten, die einen grundlegenden Systemwechsel verfolgen. Individuelle Rechtsansprüche werden faktisch eingeschränkt. Die Leistungserbringung verschiebt sich zunehmend von passgenauen Hilfen hin zu pauschalen, infrastrukturellen Angeboten. Damit drohen Einschränkungen für junge Menschen und ihre Familien, eine zunehmende Standardisierung von Hilfen, eine faktische Absenkung fachlicher Standards und der Verlust individueller Unterstützung. Dies stellt einen fachlichen Rückschritt dar, mit unmittelbaren Folgen für das Aufwachsen junger Menschen.
Unsere Haltung
Wir stellen klar: Junge Menschen sind keine Verfügungsmasse für Haushaltskonsolidierungen. Die Kinder- und Jugendhilfe und die Eingliederungshilfe für junge Menschen sind keine pauschalen Einsparfelder, sondern zentrale Bestandteile eines sozialen Rechtsstaates. Individuelle Hilfen sind keine überzogenen Leistungen, sondern notwendige Voraussetzungen für gelingende Entwicklung, Teilhabe und Selbstbestimmung.
Wir rufen die politisch Verantwortlichen auf:
- Stellen Sie die Rechte und Bedarfe junger Menschen und ihrer Familien konsequent in den Mittelpunkt Ihrer Politik!
- Stoppen Sie Kürzungen, die ein gelingendes Aufwachsen und Teilhabe junger Menschen gefährden, denn dies schadet der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft!
- Entwickeln Sie die Kinder- und Jugendhilfe gemeinsam mit der Praxis weiter!
Caritas-Jugendhilfe-GmbH
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